
Die Bauindustrie wird weltweit durchweg als einer der gefährlichsten Arbeitsbereiche eingestuft. Laut OSHA ereignet sich jeder fünfte Todesfall unter US-Arbeitnehmern in diesem Sektor. Und laut der World Risk Poll war die zweithöchste gemeldete Arbeitsunfallquote weltweit (22 %) unter den Beschäftigten im Baugewerbe, in der Fertigung oder in der Produktion zu verzeichnen. In diesem risikoreichen Umfeld kann eine genaue Echtzeitüberwachung der Sicherheitsbedingungen Arbeitnehmer und Ausrüstung vor Schäden schützen und dafür sorgen, dass alle am Ende des Tages sicher und gesund nach Hause kommen.
Mit dem Aufkommen der digitalen Transformation und des IoT haben vernetzte Sicherheitslösungen Programme von einfacher reaktiver Compliance zu proaktiver Unfallverhütung aufgewertet. Die Bauindustrie erlebt derzeit eine Evolution im Bereich Sicherheit, wobei Verbesserungen bei Ausrüstung und Wearable-Technologie dazu beitragen, die Branche voranzubringen und die Zahl der vermeidbaren Verletzungen und Todesfälle, die jedes Jahr auftreten, langsam zu senken. Vernetzte Sicherheitslösungen sind die Grundlage für diesen Fortschritt.
Was ist eine vernetzte Sicherheitslösung?
Vernetzte Sicherheitslösungen bestehen aus einem Netzwerk von mit der Cloud verbundenen Geräten, darunter Bereichsmonitore und persönliche tragbare Geräte, die in Verbindung mit einem Online-Dashboard einen vollständigen Überblick über die Sicherheit von Einrichtungen und Mitarbeitern bieten. Die von diesen Geräten übertragenen Daten bieten Managern leistungsstarke Berichtsfunktionen, wie z. B. den Echtzeit-Compliance-Status (um sicherzustellen, dass alle Geräte der Flotte überprüft und kalibriert wurden), aber auch, dass die Geräte aufgeladen, eingeschaltet und während der gesamten Schicht aktiv genutzt werden. Diese Informationen können von überall aus in Echtzeit abgerufen werden, ohne dass gewartet werden muss, bis ein Gerät angedockt ist, um die Daten zu empfangen. Durch weitere Datenanalysen können auch potenzielle Gefahren identifiziert und vorhergesagt werden, sodass Korrekturmaßnahmen ergriffen werden können, bevor es zu Zwischenfällen kommt.
Wie reduzieren vernetzte Sicherheitslösungen Risiken für Bauarbeiter?
Die zahlreichen Vorteile vernetzter Sicherheit lassen sich am besten anhand von Beispielen aus der Praxis erläutern. Hier sind einige typische Risiken, die in der Bauindustrie auftreten, und Details dazu, wie vernetzte Sicherheitslösungen diese Risiken reduzieren können.
Verbindung der Mitarbeiter auf der gesamten Baustelle
In der Baubranche ist das Arbeiten in der Höhe ein häufiges Szenario, und Stürze aus der Höhe sind einer der größten Faktoren in der Statistik der tödlichen Arbeitsunfälle und die häufigste Ursache für nicht tödliche, vermeidbare Verletzungen (NSC). Als Teil einer vernetzten Sicherheitslösung verfügen tragbare Geräte über Sensoren und Funktionen, die automatisch Stürze, Bewegungsmangel und versäumte Check-ins erkennen, was allesamt Anzeichen dafür sein können, dass ein Arbeiter Hilfe benötigt. Stellen Sie sich Arbeiter auf einem Hochhaus vor, weit über dem Boden – verletzt und unfähig, Hilfe zu rufen. Eine vernetzte Sicherheitslösung beseitigt diese Schwachstelle. Ebenso kommt die Technologie allein arbeitenden Personen zugute, die möglicherweise über eine große Baustelle verteilt sind, nur begrenzten Kontakt zu anderen Personen haben und außerhalb deren Sichtweite arbeiten.
Mit vernetzten Geräten können Mitarbeiter auch SOS-Alarme auslösen, um im Falle eines Vorfalls, bei dem Hilfe benötigt wird, sofort mit dem Sicherheitsüberwachungspersonal verbunden zu werden. Und wenn während ihres Arbeitstages die Gefahr einer Exposition gegenüber giftigen oder brennbaren Gasen besteht, sind vernetzte Mitarbeitergeräte flexibel und können so konfiguriert werden, dass sie Einzel- oder Mehrgasdetektionsfunktionen umfassen. Durch die Echtzeit-Überwachung der Mitarbeiter können die Leiter der Sicherheitsteams beruhigt sein, da sie wissen, dass jedes Team kontinuierlich und ununterbrochen überwacht wird, falls das Schlimmste eintreten sollte.
Beengte Räume
Ein weiteres erhebliches Risiko für Bauarbeiter ist das Betreten von engen Räumen (Confined Space Entry, CSE), beispielsweise bei Arbeiten in Tunneln oder Gräben oder beim Betreten von Lagertanks oder Containern. In schlecht belüfteten Räumen wie diesen können sich gefährliche Gase schnell zu gefährlichen Konzentrationen anreichern oder den Sauerstoff verdrängen, sodass der Arbeiter keine Zeit mehr hat, zu reagieren. Insbesondere Brachflächen können abbaubare Materialien enthalten, die vor Ort Gase erzeugen können. Wenn Bauarbeiter Aufgaben wie Grabenaushub und Verbauarbeiten durchführen, können schädliche Gase in die Atmosphäre freigesetzt werden und sogar durch den Untergrund und Risse in ein fertiggestelltes Gebäude gelangen.
Durch den Einsatz vernetzter Sicherheitsvorrichtungen wird sichergestellt, dass diese Bereiche für die Arbeiter sicher sind, bevor sie sie betreten, und sie werden alarmiert, um sie zu evakuieren, wenn die Gaswerte zu irgendeinem Zeitpunkt die Sicherheitsgrenzwerte überschreiten.
Durch kontinuierliche Überwachung können außerdem Gaslecks auf Baustellen erkannt und potenziell katastrophale Zwischenfälle verhindert werden. So lässt sich beispielsweise durch eine rund um die Uhr stattfindende Gasüberwachung feststellen, ob ein Gerät oder eine Infrastruktur nach und nach mehr Dämpfe an die Umgebung abgibt, was auf einen Reparatur- oder Austauschbedarf hindeutet. Darüber hinaus können viele für den Bau von Gebäuden verwendete Materialien giftige Verbindungen (VOCs) freisetzen, und benzinbetriebene Geräte wie Generatoren können Kohlenmonoxid produzieren. Mit einem vernetzten Sicherheitssystem können die Gas- und VOC-Messwerte in Echtzeit über ein Online-Dashboard angezeigt werden, um sich entwickelnde Gefahren im Auge zu behalten.
Optimierung des Evakuierungsmanagements
Neben giftigen Gasen stellen auch brennbare Gase, die beispielsweise bei Abbrucharbeiten aus Lagertanks austreten, eine erhebliche Brand- und Explosionsgefahr dar. Im Notfall optimieren vernetzte Sicherheitslösungen die Reaktionszeiten und erleichtern und beschleunigen die Evakuierung.
Das Sicherheitspersonal wird bei einem plötzlichen Anstieg der Konzentration gefährlicher Gase alarmiert, sodass die Mitarbeiter schnell aus den betroffenen Bereichen evakuiert werden können und überprüft werden kann, ob niemand zurückgelassen wurde. Während einer Evakuierung können Teamleiter den Standort jeder Person, die ein vernetztes Sicherheitsgerät trägt, in Echtzeit erfassen, um sicherzustellen, dass alle sicher die Sammelpunkte erreichen. Da die Standorte der Mitarbeiter auf dem Dashboard angezeigt werden können, kann Hilfe direkt zu allen Personen geschickt werden, die sich nicht sicher evakuieren konnten, wodurch wertvolle Sekunden gespart werden, die den Unterschied zwischen Rettung und Bergung ausmachen können. Da vernetzte Geräte eine Vielzahl von Daten erfassen, können Rettungskräfte außerdem die erforderliche Reaktion auf einen Vorfall bestimmen – sei es ein Sturz, Bewegungslosigkeit oder die Exposition gegenüber hohen Gaskonzentrationen, bei denen möglicherweise ein Vollatemgerät erforderlich ist.
Selbstzufriedenheit überwinden
Wir alle kennen wahrscheinlich das Gefühl, „auf Autopilot“ zu sein. Zusammen mit der Selbstgefälligkeit der Arbeitnehmer – ein Nebenprodukt der Gewohnheit – wurde diese Tendenz als eine wesentliche Ursache für Arbeitsunfälle identifiziert.
Wiederholte Handlungen, die über einen längeren Zeitraum ohne Konsequenzen durchgeführt werden, verfestigen die Vorstellung, dass diese Handlungen sicher sind, auch wenn sie es von Natur aus nicht sind. Da 5 % der Unfälle eher durch unsicheres Verhalten als durch gefährliche Bedingungen verursacht werden (RoSPA), stellt dies in jeder Branche ein großes Problem dar, insbesondere dort, wo Risiken durch den Betrieb von Maschinen und Kollisionen mit schweren Geräten bestehen, wie beispielsweise auf Baustellen. Arbeitnehmer führen eine Arbeit oder Aufgabe automatisch aus, ohne wirklich darüber nachzudenken, wie sie diese ausführen oder ob sie anders vorgegangen werden sollte. Dies kann daran liegen, dass sie die mit einer bestimmten Aufgabe verbundenen Risiken nie verstanden haben oder nicht darin geschult wurden, die Verantwortung für ihre eigene Sicherheit zu übernehmen.
Eine Möglichkeit, Selbstzufriedenheit zu überwinden, besteht darin, den Mitarbeitern digitale Tools an die Hand zu geben, die ihnen ihre Handlungen und die möglichen Folgen bewusst machen und sie so zu einer Verhaltensänderung bewegen. Vernetzte Technologien spielen dabei eine wichtige Rolle. Die Analyse von Verhaltensweisen und Vorfällen durch das Management kann grundlegende Veränderungen bewirken, wenn die gesammelten Daten genauestens geprüft werden, um ein Bild davon zu erstellen, was geschieht und wer sich selbst einem Risiko aussetzt. Durch die zweigleisige Herangehensweise an das Problem – auf der Ebene des Bewusstseins der Mitarbeiter und durch die Auswertung von Daten – können echte Verbesserungen in Bezug auf die Sicherheit der Belegschaft erzielt werden.
Vorhersage von Sicherheitsrisiken durch Datenanalyse
Zusätzlich zu den oben genannten Risiken können in jeder Arbeitsumgebung unerkannte Risiken bestehen, die zu Unfällen mit Personenschäden führen und unerwartete Ausfallzeiten und Kosten verursachen können. Vernetzte Sicherheitslösungen in Verbindung mit Datenwissenschaft und Analytik können Gefahren erkennen, bevor sie Arbeitnehmern Schaden zufügen oder Geräte beschädigen. Die Möglichkeit, Muster anhand der Messwerte vernetzter Geräte zu erkennen, ermöglicht es Sicherheitsbeauftragten und Betreibern, proaktive Maßnahmen zu ergreifen.
Beispielsweise können wiederholte Sturzmelder am selben Ort auf eine rutschige Oberfläche hinweisen. Durch proaktive Maßnahmen wie Reinigung, Enteisung oder Neugestaltung des Standorts können Mitarbeiter vor schweren Stürzen geschützt, der reibungslose Betrieb aufrechterhalten und die Mitarbeiter an ihrem Arbeitsplatz gehalten werden.
In größerem Maßstab können, da beispielsweise alle Gasmessdaten erfasst und in die Cloud übertragen werden, Datenanalysen von verbundenen Geräten verwendet werden, um Bereiche vor Ort mit potenziellem Risiko hervorzuheben. Gaskonzentrationen unterhalb der Alarmschwelle bleiben in der Regel unbemerkt, bis ein Vorfall eintritt. Die Meldung dieser Gefährdungen gibt den Betreibern die Möglichkeit, Lecks oder defekte Geräte proaktiv zu beheben. Vorbeugende Wartungsmaßnahmen können potenziell größere Rettungs- und Reparaturmaßnahmen vermeiden.
Vernetzte Sicherheit für bessere Ergebnisse
Durch die Vernetzung von Mitarbeitern in gefährlichen Umgebungen wie Baustellen kann sichergestellt werden, dass jederzeit alle Personen erfasst sind. Die Datenanalyse einer vernetzten Lösung ermöglicht es darüber hinaus, potenzielle Risiken zu identifizieren und Unfälle zu vermeiden, wodurch sich die Arbeitsbedingungen für Mitarbeiter in der Baubranche verbessern und die Zahl der Arbeitsunfälle und Todesfälle Jahr für Jahr sinkt.